Nisse Strinning – vollendete Einfachheit
Nisse Strinning zählt zu den prägenden Persönlichkeiten des schwedischen Designs des 20. Jahrhunderts. Der 1917 in Kramfors geborene Architekt und Designer wurde vor allem durch das String Regalsystem bekannt, das er gemeinsam mit seiner Frau Kajsa Strinning entwickelte. Seine Entwürfe folgen einem klaren Prinzip: Funktion, einfache Konstruktion und eine reduzierte Formensprache gehen Hand in Hand.
Vom Architekturstudium zum Produktdesign
Von 1940 bis 1947 studierte Nisse Strinning Architektur an der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm. Schon während seiner Studienzeit beschäftigte er sich intensiv mit funktionalen Alltagsgegenständen. Gemeinsam mit Kajsa Strinning entwickelte er ein Abtropfgestell aus kunststoffbeschichtetem Stahldraht, das später von Elfa produziert wurde.
Die leichte Drahtkonstruktion sollte zum Ausgangspunkt für Strinnings berühmtesten Entwurf werden. Statt massive Konstruktionen zu schaffen, setzte er auf filigrane Elemente, die wenig Material benötigten und sich einfach industriell fertigen ließen.
Nisse und Kajsa Strinning entwickeln das String Regal
1949 schrieb der schwedische Verlag Bonniers Folkbibliotek einen Wettbewerb für ein neues Bücherregal aus. Gesucht wurde eine Lösung, die erschwinglich, leicht zu transportieren, einfach zu montieren und flexibel erweiterbar sein sollte.
Nisse und Kajsa Strinning übertrugen das Prinzip ihrer Drahtkonstruktionen auf ein modulares Regalsystem und gewannen mit ihrem Entwurf den Wettbewerb. Das String Regal war geboren. Seine charakteristischen Seitenleitern aus Stahldraht werden mit Regalböden und unterschiedlichen Funktionselementen kombiniert. Dadurch lässt sich das System individuell zusammenstellen und jederzeit erweitern.
Der Entwurf entwickelte sich schnell zu einem internationalen Erfolg. 1954 wurde String mit einer Goldmedaille auf der Triennale in Mailand ausgezeichnet und zählt heute zu den bekanntesten Klassikern des skandinavischen Designs.
String Design und die Weiterentwicklung des Regalsystems
In den 1950er-Jahren entstanden String Design AB und Swedish Design AB, über die Produktion und Vermarktung des erfolgreichen Systems organisiert wurden. Nisse und Kajsa Strinning entwickelten das Konzept über viele Jahre weiter und ergänzten es um unterschiedliche Regalböden, Schränke und weitere Elemente.
Das Besondere am String System ist bis heute seine Wandelbarkeit. Aus wenigen Grundelementen lassen sich kleine Wandregale ebenso zusammenstellen wie umfangreiche Aufbewahrungslösungen und Arbeitsplätze. Die filigranen Seitenleitern verleihen selbst größeren Kombinationen eine leichte, grafische Erscheinung.
String Pocket – Nisse Strinnings letzter Entwurf
Auch Jahrzehnte nach dem ursprünglichen String System beschäftigte sich Nisse Strinning mit der Weiterentwicklung seiner Idee. 2005 brachte String Furniture das String Pocket auf den Markt. Das kompakte Wandregal wurde sein letzter Entwurf.
Mit seiner reduzierten Konstruktion greift String Pocket die charakteristischen Merkmale des ursprünglichen Systems auf und übersetzt sie in ein kleineres Format. Nisse Strinning arbeitete bis kurz vor seinem Tod weiter. Er starb 2006 im Alter von 88 Jahren.
Nisse Strinnings Designverständnis
Nisse Strinning verstand Gestaltung vor allem als Lösung für alltägliche Herausforderungen. Seine Entwürfe sollten funktional, unkompliziert und möglichst flexibel einsetzbar sein. Gerade diese Konzentration auf das Wesentliche prägt die Ästhetik seiner Arbeiten.
Das gemeinsam mit Kajsa Strinning entwickelte String System bringt diesen Ansatz besonders deutlich zum Ausdruck. Die Kombination aus funktionaler Konstruktion, geringem Materialeinsatz und großer Anpassungsfähigkeit machte den Entwurf zu einem Klassiker, dessen Grundidee auch mehr als 75 Jahre nach seiner Entwicklung aktuell geblieben ist.

